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Wie bist du dazu gekommen?

Es ist die Frage, die mir zuverlässig in jedem längeren Gespräch zu meinem Projekt gestellt wird: wie kommt man dazu, im abgelegenen Hinterland von Mosambik ein Mangoprojekt aufzubauen? Eine gute Frage. Oft kann ich leider nur eine abgekürzte Antwort geben. Umso mehr freue ich mich, hier die Vollversion zu teilen.

Zu Besuch bei Sofia Bunaia. Wie kommt man dahin?

Nicht so voreilig

Ich wusste schon früh, dass ich einmal Unternehmer sein wollte. Bei meinem ersten Besuch auf einer Karriereberatung, im Alter von etwa 17 Jahren, war ich jedenfalls schon fest entschlossen, mein eigener Chef zu werden. Zum Glück konnte die gute Beraterin meinen Übermut besänftigen und mich geduldig überzeugen, dass es vielleicht noch etwas früh war dazu. Ich sollte mir zuerst einige Jahre lang Erfahrung aneignen. Das konnte ich vorerst halbwegs akzeptieren, als Zwischenlösung. So machte ich also mein Studium und versuchte mit verschiedenen Jobs, die für mangelnd befundene Erfahrung zu gewinnen.

Die Pionierin: Maya in Nkholongue

2005 startete dann meine Mutter Maya ein Unterfangen, das für mich wegweisend werden sollte. Meine Eltern wohnten damals in Maputo, der Hauptstadt von Mosambik, weil mein Vater dort beruflich stationiert war. Maya entschloss sich, ihren Traum zu verwirklichen und eine Ökotourismus-Lodge aufzubauen. Also machte sie sich alleine auf Erkundungsreise am Niassa-See, im Hinterland fast 2’000 km von Maputo, mit dem Zelt im Rucksack. Sie bat einige lokale Fischer, sie mit ihrem Boot der Küste entlang mitzunehmen. In einer Bucht mit einem langen Sandstrand gesäumt von riesigen Mangobäumen trat sie schliesslich an Land und erzählte den lokalen Leuten von ihrer Vision.

Ein halbes Jahr später kam Maya erneut im Dorf Nkholongue an, aber diesmal mit einem grossen Geländewagen. Das Auto und der Anhänger waren vollgepackt mit aller nötigen Ausrüstung, um monatelang im abgelegenen Afrikanischen Busch zu Leben und von Grund auf eine Strandlodge aufzubauen. Mein Bruder Ueli war auch dabei, und nach ein paar Wochen stiess auch ich dazu. Wir wohnten in Zelten am Strand des riesigen Sees, lernten die Leute aus dem Dorf näher kennen und begannen zusammen mit dem Aufbau der Strandbungalows.

Maya auf dem Markt in Lichinga. 2005 gründete sie unser erstes Projekt in Mosambik

Die Realität im Dorf

Von Anfang an war es unsere Absicht, mit unserem Engagement Möglichkeiten für die lokalen Menschen zu schaffen, um ihre Lebenssituation nachhaltig zu verbessern. Die Lodge sollte Arbeitsstellen generieren und Touristen in die Gegend bringen. Aber wir wollten auch direkt die verschiedenen Probleme der lokalen Bevölkerung angehen mit gezielten Hilfsprojekten. Als Basis dafür befragten mein Bruder und ich alle Haushalte im Dorf zu wichtigen Themen wie ihrer Gesundheitssituation, Ernährungssicherheit und Bildung. Die Studie wurde zur Grundlage unserer Gemeinschaftsprojekte über die Jahre, wie etwa dem Bau einer Schule und eines Gesundheitspostens.

Was mich jedoch am stärksten beeindruckte, war dass viele der Probleme der Menschen eine direkte Konsequenz ihrer materiellen Armut waren. Wir sprachen mit gebrechlichen alten Leuten, die nachts auf dem Erdboden schliefen, weil sie sich keine Matratze leisten konnten. Fast alle Familien gaben an, in der kalten Jahreszeit nachts zu frieren, und ein grosser Teil litt periodisch an Hunger, wenn das Geld und die eigenen Vorräte ausgingen. Die Strohdächer der Häuser waren nur bedingt regendicht, was die prekäre Gesundheitssituation vieler Leute verschlimmerte.

Ein Schatz der Natur

Und gleichzeitig war ein grosser Reichtum allgegenwärtig: Mangos. Seit Generationen standen in den Dörfern der Region riesige Mangobäume. Jeden November trugen sie zahllose wertvolle Früchte, die innert weniger Wochen alle aufs Mal reif wurden. Aber die Leute hatten kaum etwas von diesem Reichtum. Natürlich assen sie in dieser Zeit, was sie konnten, aber das war ein Bruchteil. Einen lokalen Markt gab es bei dem Überfluss an Mangos praktisch nicht. Am Anfang der Regenzeit war es den Leuten auch nicht möglich, die Mangos selbst zu trocknen. Also verrotteten die wertvollen Früchte tonnenweise unter den Bäumen.

Die zündende Idee lag also auf der Hand: man musste die Mangos vor Ort trocknen, um sie haltbar zu machen und ihren Wert zu konzentrieren. Damit könnte man sie exportieren und den Leuten ein nachhaltiges Einkommen ermöglichen, alles von ihren eigenen, bereits bestehenden Ressourcen.

Riesiges Potential: In den Dörfern am Niassa-See stehen hunderte von uralten Mangobäumen

Umweg durch die Grossbank

Nun merkte ich aber selbst, dass ich den Herausforderungen eines solchen Projekts noch nicht gewachsen war. Ich hatte keine Ahnung, wie man so etwas angehen müsste. Also weiter mit dem Plan, Erfahrung zu sammeln. Ich bewarb mich für ein Traineeprogramm bei einer Grossbank in London und bekam die Chance auf ein intensives zweijähriges Ausbildungsprogramm mit Rotationen in verschiedenen Abteilungen und einem begleitenden Zweitstudium.

Nachdem ich so zwei Jahre geschlaucht wurde, bekam ich eine Stelle in der Abteilung “Global Corporates”. In einem kleinen Team betreuten wir ein Portfolio von Grosskunden und verkauften Kredite und verschiedene Finanzinstrumente zu Beträgen in völlig unwirklichen Dimensionen. Auch das war interessant, und ich merkte, wie mein Erfahrungsschatz wuchs. Schlussendlich war Banking aber entschieden nicht meine Welt. Also liess ich meinen Plan weiter reifen, bis ich schliesslich meinem verständnislosen Boss erklärte, ich wolle meine Karriere hinschmeissen, um in Afrika ein Mangoprojekt zu starten.

Der steinige Weg zur Mangofabrik

Ich kaufte mir also ein Einwegbillet nach Mosambik. Vor Ort angekommen begann ich mit dem Mangotrocknen zu experimentieren. Mit meinem kleinen Team aus dem Dorf schreinerten wir unsere ersten Solartrockner nach Anleitungen aus dem Internet. Alles ging schief, aber wir lernten stetig dazu, bis sich die ersten Erfolge zeigten. Nach der zweiten Mangosaison hatten wir erstmals ein Produkt für einen Markttest in London.

Schon ein ziemlicher Betrieb: unser Team vor der Mangofabrik

Bei jeder Bestandsaufnahme hatten wir wieder Fortschritte gemacht und mehr Potential entdeckt. Also machten wir weiter. Der Betrieb wuchs und wandelte sich bis zur Fabrik voll von professioneller Ausrüstung, 40 Mitarbeitern und einem Netzwerk von 300 Bauern in sieben Dörfern. Pro Saison verarbeiten wir mittlerweile 100’000 kg Mangos, die sonst allesamt verrottet wären. Und dabei soll es nicht bleiben: es gibt am Niassa-See noch viel mehr Mangos, und viele weitere Bauern, die sie uns gerne verkaufen würden!

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