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Warum es hier noch keine Mangofabrik gab

Wer die Lago-Region am Niassa-See besucht, kann eine attraktive GeschĂ€ftsidee kaum ĂŒbersehen. In den Dörfern stehen hunderte von riesigen BĂ€umen mit zahllosen Tonnen von wertvollen Mangos erster QualitĂ€t. Man muss sie nur vermarkten. Aber niemand macht etwas damit. Wie ist es möglich, dass eine solche Ressource einfach brach liegt?

Die grossen, dunkelgrĂŒnen MangobĂ€ume im Dorf Nkholongue

Ich machte mir keine Illusionen, als ich 2013 mein Projekt startete. Es wĂŒrde nicht einfach sein. Die InvestitionshĂŒrden in Afrika waren mir aus dem Lehrbuch wohl bekannt. BĂŒrokratie, schlechte Infrastruktur und politische InstabilitĂ€t gehören zu den viel zitierten Hemmnissen. Das war alles plausibel. Im Schatten der MangobĂ€ume waren diese Herausforderungen jedoch ziemlich abstrakt. Das wird schon klappen. Konkret wurden die Probleme dann erstmals, als ich meine Firma registrieren wollte.

BĂŒrokratie nach Mosambikanischer Art

Eines von vielen “Geschenken”, das die Portugiesischen Kolonialherren nach ihrem Abzug aus Mosambik zurĂŒckliessen, ist eine kolossale BĂŒrokratie. Niemand konnte uns einen klaren Überblick des Prozesses zur FirmengrĂŒndung geben, also machten wir aufs Geratewohl vorwĂ€rts. Wenn auf den Ämtern ĂŒberhaupt jemand da war, hatten sie keinen SchlĂŒssel zum Aktenschrank, oder der Computer war gerade kaputt. Vielleicht können Sie morgen wieder kommen?

Wir ĂŒbten uns in Geduld. Von der ersten Anmeldung bis zur endgĂŒltigen Registrierung unserer Firma verging ĂŒber ein Jahr. Als ich nach dem surrealen Prozess endlich alle nötigen Dokumente im Safe verstaut hatte, konnte ich es kaum glauben. Aber die Schwierigkeiten fingen erst an.

Richtig schlechte Infrastruktur

Vom Provinzhauptort Lichinga zu unserer Fabrik am See fĂŒhrt eine Strasse. Leider ist die zweite HĂ€lfte der gut 100km mehr Schlagloch als Teer. In der jĂ€hrlichen Regenzeit werden diese zu regelrechten Gruben ausgewaschen. Der Transport unserer Mangos von der Fabrik zum Hafen auf diesen Strassen ist teurer, als der ganze restliche Schiffsexport bis in die Schweiz.

Noch unangenehmer ist es, wenn die Strasse gleich vollstĂ€ndig verschwindet. Vor einem Jahr riss der vom Regen angeschwollen Fluss die einzige BrĂŒcke mit, die unser Dorf mit dem Rest der Welt verbindet. Ein improvisierter Fussweg mit langen BaumstĂ€mmen war schnell gemacht, aber mit unseren Fahrzeugen konnten wir monatelang nicht zu unserer Fabrik. GlĂŒcklicherweise war die Mangosaison gerade vorbei und die Mangos schon exportiert.

Verkehrsbehinderungen auf der A1

Die Infrastruktur fĂŒr Kommunikation ist dem Transportnetzwerk nur wenig voraus. Eine meiner schmerzhaften Erfahrungen mit dem Handynetz war ein GesprĂ€chsversuch mit einem Ingenieur in SĂŒdafrika. Die Elektronik unseres Mangotrockners hatte mitten in der Produktion ein Problem und er musste mir dringend erklĂ€ren, welche DrĂ€hte ich neu verkabeln sollte. Das Handy mit der Schulter ans Ohr geklemmt, versuchte ich seinen Instruktionen zu folgen. Dass seine Stimme klang, wie durch ein BĂŒchsentelefon, linderte meine Verzweiflung nicht gerade.

Politische InstabilitÀt live

2013, als ich mein Projekt grĂŒndete, war die Lage in Mosambik gelassen. NatĂŒrlich war die Regierung korrupt und das Volk arm, aber es herrschte Frieden. Aus politischer Sicht zeigten sich keine besonderen Risiken, im Land zu investieren.

Zwei Jahre spĂ€ter ging es rasant bergab. Die Oppositionspartei Renamo begann einen niederschwelligen Guerillakrieg im Zentrum des Landes. Privatautos und Lastwagen wurden wahllos angegriffen auf der Hauptstrasse, die das ganze Land verbindet. Die Nord-SĂŒd Achse wurde geschlossen. Die Renamo verkĂŒndete offiziell, sie werde inner Monatsfrist den Norden Mosambiks erobern und einen unabhĂ€ngigen Staat grĂŒnden. Und wir sassen mittendrin mit unserer neugebauten Mangofabrik.

Am Schluss kam es dann doch nicht zur Eskalation. Das Ultimatum lief ab und statt einer Revolution gab es einen obskuren Deal, der irgendwie beide Parteien zufriedenstellte (oder wenigstens die obersten Befehlshaber). GlĂŒcklicherweise konnten wir durch die ganze Krise hindurch weiterarbeiten. Aber sie zeigte uns eindrĂŒcklich, wie riskant es doch ist, in einem so instabilen Land wie Mosambik langfristige Projekte aufzubauen.

Damit umgehen

Erstickende BĂŒrokratie, schlechte Infrastruktur und politische InstabilitĂ€t halten viele Unternehmer davon ab, ĂŒberhaupt in LĂ€ndern wie Mosambik zu investieren. Darum gibt es kaum Projekte wie unsere in der Region. Und darum wiederum bleiben die lokalen Menschen auf ihrem Potential sitzen, ob es nun Mangos sind oder sonst ein Reichtum, und bleiben arm.

Was soll man dagegen tun? Wie kann man einen bĂŒrokratischen Apparat abbauen, der jedes lokale Engagement zur Sisyphusarbeit macht? Wer soll öffentliche Infrastruktur bauen, wenn es der Staat weder kann noch will? Und was soll man unternehmen, um in einem Land den Frieden zu wahren, in dem jederzeit die nĂ€chste Krise ausbrechen könnte?

Trotz allem versuchen wir, an einem kleinen Ort etwas zu verĂ€ndern fĂŒr die Leute

Als Einzelner wahrscheinlich ĂŒberhaupt nichts. Aber die Leute einfach sich selbst zu ĂŒberlassen, ist nur eine mögliche Konsequenz. Eine andere ist es, trotz der Hindernisse das Mögliche zu tun. Das ist der Weg, den wir gewĂ€hlt haben. Wir arbeiten direkt mit den einfachen Leuten zusammen, die fĂŒr all die Schwierigkeiten ĂŒberhaupt nichts können. So versuchen wir, an einem kleinen Ort etwas zu bewegen. Und das haben wir nie bereut.

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