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Wie man lebt: zu Besuch bei Fatima

“Was die Frauen davon halten, wenn ihre MĂ€nner weitere Frauen heiraten?” Fatima fragt vorsichtshalber nach bei Gito, der fĂŒr uns auf Nyanja ĂŒbersetzt. Nicht zum ersten Mal in unserem GesprĂ€ch ist sie unsicher, ob sie unsere Frage wirklich richtig verstanden hat. Als Gito bestĂ€tigt, schaut sie uns mit grossen Augen an, zieht die Schultern hoch und dreht die HandflĂ€chen nach oben. Das war wohl die naivste Frage, die sie je gehört hat. Ihre Antwort verstehen wir schon vor der Übersetzung: “NatĂŒrlich stört es die Frauen, aber so ist es nun mal!”

So diskutieren wir neben Fatimas Haus im goldenen Licht der Abendsonne, die sich langsam ĂŒber dem Niassa-See senkt. FĂŒr uns GĂ€ste hat Fatima ihre PlastikstĂŒhle aufgereiht, wĂ€hrend sie selbst auf ihrer geflochtenen Bastmatte am Boden sitzt. Es ist ein kultureller Austausch der Extraklasse, ein Highlight unserer Trainee-Reise. Immer wieder wird eindrĂŒcklich klar, dass wir keine Ahnung von der gegenseitigen LebensrealitĂ€t haben. Aber das GesprĂ€ch zeigt auch auf, wie Ă€hnlich wir uns dennoch sind.

Wir fragen Fatima, ob sie schon einmal an einem anderen Ort gewohnt hat als in ihrem Dorf Nkholongue. TatsĂ€chlich ist es schwer vorstellbar, dass jemand von anderswo in diese abgelegene Gemeinschaft ziehen wĂŒrde. Fatima ist zwar dort geboren – vor gut 70 Jahren, ganz genau weiss sie es nicht –, aber wĂ€hrend des UnabhĂ€ngigkeitskrieges musste sie als junge Frau mit der Familie fliehen. “Die Soldaten kamen ins Dorf und haben alles genommen, Leute umgebracht und HĂ€user angezĂŒndet.”

Von uns will Fatima wissen, wie gross unsere Felder sind. Dass wir gar keine Felder haben und alle Lebensmittel im Supermarkt kaufen, findet sie sichtlich faszinierend. FĂŒr sie ist der Feldbau der grösste und wichtigste Lebensinhalt. Ob man genug zu essen hat, hĂ€ngt von der eigenen Ernte ab. Ihr Alter hĂ€lt sie nicht von der harten körperlichen Arbeit im Feld ab. Unsere Frage nach ihrem Lieblingsessen versteht sie schlicht nicht. “Ich esse Schima aus Maniok und am Mittag trinke ich Tee.” Tee bedeutet fĂŒr sie heisses Wasser mit Zucker, fĂŒr ein bisschen Energie.

Einmal mehr bin ich zutiefst beeindruckt von dieser Frau. Ihre Lebensgeschichte ist voller Ereignisse, die ich mir kaum vorstellen kann: Armut, Krieg, SchicksalsschlĂ€ge. Und doch strahlt sie pure Lebensfreude aus, lacht und diskutiert ausgelassen. Zum Schluss fragen wir sie, was aufgrund all ihrer Erfahrungen ihr Lebensrat fĂŒr uns wĂ€re. Ihre pragmatische Antwort: “Findet euch einen Job. Wer keine Arbeit hat, hat kein Geld.” In Fatimas Welt hat man handfeste Probleme.

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