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Malaria-Chilbi

Die Bühne unter dem schwarzen Dach der nächtlichen Mangobäume ist hell erleuchtet von den Scheinwerfern unseres alten Pajeros. So ein Ereignis hat das Dorf Nkholongue noch selten erlebt. Jung und Alt sitzt auf den Bankreihen und steht bis weit dahinter. In Kürze beginnt das grosse Finale unseres Malaria-Aktionstages: die Aufführung der improvisierten Theatergruppe aus dem Dorf. Die Spannung im Publikum ist gross, auch bei mir.

Malaria – ein Fluch, der auf dem Leben der Menschen in Nkholongue lastet, wie so vielerorts in Afrika. Als wir unser Engagement vor Ort begannen, erfuhren wir bald vom tragischen Ausmass des Problems. Zur Grundlage unserer Projekte interviewten mein Bruder Ueli und ich die Familien im Dorf zu ihren Lebensumständen. Alle Erwachsenen sagten uns, sie hätten schon an der Krankheit gelitten, oft viele Male. Und immer wieder hörten wir, dass Familien ein Kind an Malaria verloren hatten.

Schlafplatz der Familie – ohne Mückenschutz

Eines Tages kam eine Delegation eines weltweit bekannten Hilfswerks ins Dorf. Das Volk versammelte sich und es wurde verkündet, jedes Kind werde ein Mückennetz erhalten, um vor Malaria geschützt schlafen zu können. Zudem werde man die Kinder auch gleich impfen (gegen etwas Anderes als Malaria). So sassen die Familien von Nkholongue den ganzen Nachmittag um den Geländewagen mit dem Logo der Hilfsorganisation. Nacheinander führten sie ihre Kinder zum Impf-Tisch und nahmen dafür ihre Gratisnetze in Empfang.

Kinder impfen für gratis-Mückennetze

Wie viele Kinder dann tatsächlich unter “ihren” Netzen schliefen, ist fraglich. Unsere Interviews im Dorf hatten gezeigt, dass den meisten Leuten nicht bewusst ist, dass Malaria von infizierten Mücken übertragen wird. Hinzu kommt, dass die Nyanja ein Volk von Fischern sind. Fischernetze sind teuer, aber plötzlich wurden hunderte von Netzen gratis verteilt… Es war eine Aktion ganz nach dem abgegriffenen Entwicklungshelfer-Mantra: “Gib jemandem ein Fischernetz, und er wird für immer Fisch essen.” Nur dass diese Netze mit Insektizid imprägniert waren.

Stolzer neuer Besitzer eines in Insektizid getränkten Netzes

In unserem Team aus dem Dorf diskutierten wir, wie wir das Beste aus dieser traurigen Situation machen konnten. Könnten wir wenigstens ein paar Leute motivieren, die Netze doch übers Bett zu hängen? In der Diskussion entstand die Idee eines Malaria-Aktionstags mit verschiedenen spielerischen Aktivitäten rund ums Thema. Ich war zunächst skeptisch – eine Art Malaria-Chilbi? Aber das Team war überzeugt, der Event würde ein riesiger Erfolg werden!

Nach wochenlanger Vorbereitung in der Gruppe war der grosse Tag da: einen Nachmittag lang glich der Dorfplatz von Nkholongue einem Jahrmarkt. Am Stand mit dem Malaria-Quiz riefen die Leute durcheinander die Antworten aus dem Gedränge. Lautes Gejubel kündigte an, dass das Glücksrad auf dem gewinnenden Mückennetz-Symbol stehengeblieben war. Beim Mücken-Zeichnungswettbewerb machten selbst die harten Jungs aus dem Dorf eifrig mit.

Wer zeichnet die beste Mücke?

Und nun zum krönenden Abschluss die Theateraufführung. Die Proben waren chaotisch, die Geschichte nahm ein Eigenleben an und war jedes Mal anders. Aber die jungen Leute in der Gruppe waren sichtlich begeistert vom Schauspiel und konnten es kaum erwarten, ihr Stück vor ihrer Gemeinschaft aufzuführen.

Da geht es los, der zu erkrankende Held betritt die Bühne. Schon gibt es tosenden Applaus. Er wird von einer Mücke gestochen und muss zum Arzt. Ich kann der Handlung auf Chinyanja nicht lückenlos folgen, aber scheinbar verliebt er sich in seine hübsche Nachbarin. Der Arzt stolpert und fällt flach auf den Boden, das Publikum grölt vor Lachen. Am Schluss schläft der Held sichtbar glücklich unter einem Netz. Wenigstens für einmal ist es ein Happy End.

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nyanjafan

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