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Das Land ihrer Ahnen

In den Dörfern am Niassa-See beginnt ein GesprĂ€ch erst, nachdem sich alle einzeln einen guten Morgen gewĂŒnscht haben. «Muauka buandschi?» Wie bist du aufgewacht? «Ndauka Buino.» Ich bin gut aufgewacht. So grĂŒsse ich den Dorfchef – den «Regulo» – von Ngala. Daraufhin grĂŒsst dieser meinen Mitarbeiter Gito, dieser wiederum die Frau des Regulos. Die Prozedur ist ungezwungen und gemĂ€chlich, wir haben Zeit. Mir soll es recht sein, denn mir bangt vor der Nachricht, die ich heute zu ĂŒberbringen habe.

Frank Cassimo erntet Maniok von seinem Familienfeld in Meluluca

Auf blauen PlastikstĂŒhlen sitzen wir auf der Veranda vor dem Lehmhaus des Dorfchefs. Um 9 Uhr morgens ist es schon heiss, auch im Schatten des Strohdachs ĂŒber uns. Ein Kind schubst mit einem Stock eine rollende Velofelge vorbei. Ein Huhn gesellt sich zu unserer Runde. Etwas abseits steht unser lĂ€dierter GelĂ€ndewagen unter einem dĂŒrren Baum im Staub. Auf dem Weg nach Ngala ist er im Schritttempo ĂŒber Berg und Tal geschaukelt wie ein Boot auf hoher See.

Als ich vor Jahren zum ersten Mal ein Treffen in Ngala arrangierte, war zur abgemachten Zeit niemand da. Mir wurde klar, dass den Leuten zu oft von AuslĂ€ndern von grossartigen Projekten erzĂ€hlt wurde, aus denen nie etwas wurde. Es wĂŒrde Geduld brauchen, ihr Vertrauen zu gewinnen. Mittlerweile haben wir den Bauern aus Ngala aber unzĂ€hlige BananenbĂŒschel abgekauft und unsere Versprechen eingehalten. Das zahlt sich nun aus: der Regulo und seine anwesenden Berater sind interessiert an unserem geplanten Anbauzentrum.

Feldbau-Pause unter Bananenstauden – wie seit unzĂ€hligen Generationen

Im fruchtbaren Tal des Flusses Meluluca bauen die Menschen der umliegenden Dörfer in kleinen Feldern ihre Lebensgrundlage an: Mais, Maniok, SĂŒsskartoffeln. Auf der metertiefen Humusschicht des uralten Schwemmlands schiessen die Pflanzen nur so in die Höhe. Von hier kommen auch die feinen Cabuto Bananen. Im neuen Anbauzentrum sollen den Bauern AusrĂŒstung und Ressourcen zur VerfĂŒgung stehen, um ihren Produktion zu optimieren.

FĂŒr unser Vorhaben mussten wir einen staatlichen Landtitel beantragen. Der Chef des Grundbuchamts der Provinz Niassa kĂŒmmerte sich gerne persönlich um unser Anliegen. Einmal durfte ich ihm sogar zwei Kanister Benzin fĂŒr sein Auto spendieren, als dankbare Geste fĂŒr die gute Zusammenarbeit. Bei meinem letzten Besuch auf seinem Amt kam dann aber die unerwartete Nachricht: unser Antrag wurde abgelehnt. Leider sei das Land schon vergeben.

Wem gehört das Meluluca-Flusstal?

An wen denn, fragte ich? Wir haben uns doch mit den lokalen Bauern geeinigt, die kleine Parzelle benĂŒtzen zu dĂŒrfen? Er schaute mich mitleidig an und breitete eine Landkarte vor mir aus, die ĂŒbersĂ€t war von bunten, rechteckigen Markierungen. «Bergbaukonzessionen. Es gibt viele BodenschĂ€tze in der Region.» Das ganze Meluluca-Tal und das Land weit darĂŒber hinaus – alles vergeben an auslĂ€ndische Bergbaufirmen. Ob auf dem Land ihrer Ahnen jemals Bergwerke eröffnet werden, ist offen. Jedenfalls haben die Menschen, die dort leben und ihre Felder betreiben, keine Ahnung davon.

Beim Regulo von Ngala haben wir uns mittlerweile alle begrĂŒsst und ich beginne das GesprĂ€ch: «Herzlichen Dank an den Regulo und alle Anwesenden fĂŒr die Audienz.» WĂ€hrend Gito ĂŒbersetzt, bin ich kurz abgelenkt durch den bizarren Anblick eines Jungen, der neben dem Haus ein Huhn köpft. Das Mittagessen wird vorbereitet
 Ich reisse mich davon los und konzentriere mich aufs GesprĂ€ch. Zögernd komme ich zum Punkt: Leider hat die Regierung unseren Antrag auf den Landtitel abgelehnt. Der Regulo ist sichtlich enttĂ€uscht, fragt aber nicht nach dem Grund der Ablehnung. Ich bringe es nicht ĂŒber mich, ihm vom bunten Parzellenplan zu erzĂ€hlen.

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