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Mal kurz am Anschlag

Ich stehe kurz vor einem Sonnenstich. Senkrecht brennt die Afrikanische Mittagssonne auf JoĂŁo, Artur und mich herab. Auf dem Platz um unseren brandneuen Mangotrockner, ein umfunktionierter 20-Fuss Schiffscontainer, staut sich die Hitze. Aber wir können nicht weg, bevor wir das Problem gelöst haben: jeden Tag fallen die reifen Mangos von den BĂ€umen, aber unser Trockner funktioniert nicht. Es ist unsere letzte Chance – wir mĂŒssen die Maschine zum Laufen bringen, bevor die Erntesaison vorbei ist.

Mitten im Busch des Mosambikanischen Hinterlands ist man mit technischen Problemen aufgeschmissen. Weit und breit ist kein Experte zu finden. Im Fall unseres Trockners ist der Lieferant etwa 2000 Kilometer entfernt in Johannesburg. Die Mobilfunkverbindung ist schlecht und ich kann Hamish von “Dryers for Africa” kaum verstehen. “Wahrscheinlich drehen die Propeller im Trockner in die falsche Richtung, so dass die Feuchtigkeit nicht abgefĂŒhrt werden kann.” Ich mĂŒsse in der Kontrollbox die Phasen neu verkabeln, um die Drehrichtung umzukehren.

Das Handy mit der Schulter ans Ohr geklemmt, hantiere ich im orangefarbenen Kasten voller Kabel, Schalter und Sicherungen. Hamish versucht mich anzuweisen, welche DrĂ€hte ich austauschen muss, aber die Verbindung bricht stĂ€ndig zusammen. Ich tu mir selber schon ziemlich leid, da klingelt mein Handy wieder. Zu meiner Überraschung ist es nicht Hamish, sondern meine Lebenspartnerin ChloĂ« in Bern. Bevor ich erklĂ€ren kann, dass es ein schlechter Moment ist zum Plaudern, bringt sie hervor: “George ist weggerannt!”

George, unser geliebter, flauschiger Kater, hat sich noch nicht an die neue Umgebung gewöhnt, seit wir vor kurzem umgezogen sind. Und nun ist er nach draussen entwischt, in Panik geraten und in den unbekannten Nachbargarten geflohen. ChloĂ« hat ihn schon ĂŒberall gesucht, aber er ist verschwunden. Über die stockende Verbindung versuche ich, sie zu beruhigen. «Geh ihn nochmals rufen, er wird schon zurĂŒckkommen.» Aber innerlich macht sich eine lĂ€hmende Hilflosigkeit breit. Völlig ĂŒberfordert setze ich mich in den Schatten.

Womit habe ich das verdient? Das ganze Jahr haben wir darauf hingearbeitet, rechtzeitig fĂŒr die einmonatige Mangosaison bereit zu sein. Die Mangos auf den BĂ€umen reiften heran, wĂ€hrend wir unsere neue Fabrik fertigbauten, aber der Trockner hatte VerspĂ€tung. Als der Lastwagen aus SĂŒdafrika die Dörrmaschine endlich brachte, rannten ihm die Kinder aus dem Dorf jubelnd nach. Zwei Tage spĂ€ter war es dann soweit: der Trockner war geladen mit der ersten Tonne saftiger Schnitze.

Am nĂ€chsten Morgen war ich als Erster in der Fabrik, um die frisch gedörrten Mangos zu prĂŒfen. Als ich aber den Verarbeitungsraum betrat, stand ich mitten in einer Wasserlache, die unter der TĂŒr des Trockners herausrann. Da war etwas falsch. Zum Dröhnen der Trocknerventilatoren stemmte ich mich gegen den Stahlhebel der ContainertĂŒr, um ihn zu lösen. Sobald ich die Kammer öffnete, schlug mir eine heisse Dampfwolke entgegen. Wie gelĂ€hmt starrte ich in die Mango-Sauna. Der Trockner funktionierte nicht.

Und nun ist auch noch George davongerannt
 Wieder klingelt mein Handy und reisst mich aus meinen deprimierten TagtrĂ€umen. “Er ist zurĂŒckgekommen, ich habe ihn!” Was fĂŒr eine Erleichterung. FĂŒr einen Moment bin ich den TrĂ€nen nah. Alles ist gut. Nun mĂŒssen wir nur noch unsere Mangofabrik zum Laufen bringen. Entschlossen stosse ich mich hoch, nehme das Werkzeugset und marschiere zurĂŒck zum falsch verkabelten Trockner. Das wĂ€re ja gelacht.

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